Oberquartier von Geldern
Das ehemalige Herzogtum Geldern bestand aus vier
Verwaltungsgebieten, Quartiere genannt. Diese bezeichnete man als Quartier von
Arnheim, von Nimwegen, von Zuthpen und von Roermond, letzteres wurde auch
Oberquartier genannt. Die Wiege der Grafschaft Geldern (ab 1339 Herzogtum)
befand sich im Raum Wassenberg, wo der Graf von Geldern seine Besitzungen hatte.
Der Ort Geldern wurde erst später Namensgeber der Grafschaft. Über die
Entstehung des Namens Geldern gibt uns eine Sage Auskunft. Um das Jahre 878
bedrohte ein Drache die Gegend um die Herrlichkeit Pont. Zwei junge Edelleute
besiegten das Tier, an der Stelle des Sieges bauten sie eine Burg und gaben ihr
nach dem Geschrei des Drachen "Gelre, Gelre, Gelre" den Namen Burg "Gelre".
Wahrscheinlich hängt dieser Mythos mit einem Angriff der Normannen zusammen, die
mit ihren Drachenkopfbooten Maas und Niers herauffuhren, um die Umgebung zu
Plündern. In einem Gefecht wurden sie geschlagen und schließlich
verjagt.
Die Geschichte wird erst im Laufe des 11. Jahrhundert etwas konkreter, als die überlieferten Urkunden und andere Schriftstücke zunehmen. Ab 1096 nennt sich der Graf von Geldern auch erst tatsächlich Graf von Geldern. Eine Zeit der Expansion begann. In 1279 verleibt sich der Graf von Geldern die Grafschaft Kessel ein und unterwirft sie dem Oberquartier. Die größte Ausdehnung erlangte das Oberquartier im 15. Jahrhundert, von Nieuwstadt im Süden bis Mook im Norden. Das Oberquartier umfasste die Städte Roermond, Venlo, Geldern, Nieuwstadt, Montfort, Echt, Goch, Straelen, Wachtendonk und Erkelenz. Es war in verschiedene Ämter unterteilt, dies waren Middelaar, Goch, Kessel, Geldern, Straelen, Wachtendonk, Krickenbeck, Erkelenz und Montfort, den Ämtern stand je ein Drost als Angestellter des Grafen vor. Der Drost legte Rechenschaft bei der Höflichen Rechenschaftskammer in Arnheim ab, wo auch der Adel und die Stände einen Sitz hatten.
Im Jahre 1473 wurde das Herzogtum Geldern durch den Burgundischen Herzog Karel der Köhne mit Hilfe des Herzogtums Kleve besetzt. Als Dank erhielt Kleve einige Gebiete des Oberquartiers, darunter die Ämter Goch und Mook.
Das Herzogtum Geldern konnte sich dem folgenden Habsburgischen Expansionsdrang am längsten wiedersetzten und leistete erbitterten Wiederstand. Allen voran der Mittlerweile regierende Herzog Karl von Egmond und sein Heerführer Martin van Rossem, die sich den Soldaten des Karl V. vehement wiedersetzten. Doch auch Herzog Karl von Egmond konnte Schlussendlich nicht anders, er ergab sich Karl V. und verzichtete auf die Herzogtümer Geldern und Zuthpen. Im Vertrag von Venlo wurden die Rechten und Pflichten von Karl V. als neuen Herzog und seiner neuen Untertanen festgelegt.
Obwohl auf unserem Gebiet keine großen Feldschlachten stattgefunden haben, war das Oberquartier während des rund achtzig Jahre dauernden Krieges ständig Kampfschauplatz zwischen Staatlichen und Spanischen Truppen. Truppenbewegungen entlang der Maas waren an der Tagesordnung. Venlo, Roermond und Geldern werden regelmäßig belagert, während das Umland von durchziehenden Truppen beider Lager gebrandschatzt und geplündert wurde. Um das Jahr 1580 wurde das Oberquartier entgültig von den anderen drei Quartieren getrennt. Das Oberquartier blieb unter Spanischer Herrschaft mit dem Verwaltungsort Brüssel, während die anderen Quartiere den niederländischen Generalstaaten zugeschlagen wurden. Das Oberquartier erhält nun seinen Sitz der Rechenkammer in der Stadt Roermond. In der Zeit von 1632 bis 1637 fand noch ein kleines Intermezzo der Staatlichen Truppen statt, als deren Truppen die Städte Venlo und Roermond besetzten. Durch ihre Ablehnung der katholischen Religion gegenüber konnten sie sich bei der Bevölkerung nicht durchsetzten, so zogen die Soldaten wieder ab. Während der Verhandlungen zum Frieden von Münster im Jahr 1648 wurde ein letzter Versuch unternommen, die vier ehemals Geldrischen Quartiere wieder zu vereinigen, allerdings ohne Erfolg. Das Oberquartier blieb Spanisch, der Rest blieb unter Generalstaatlicher Kontrolle.

Im Jahr 1700 verstarb der Spanische König Karl II. ohne einen Erben oder Nachfolger zu hinterlassen. Daraufhin entbrannte 1702 der Spanische Erbfolgekrieg, währenddessen Spanische, Englische und Preußische Truppen das Gelderland besetzten. Beim Frieden von Utrecht im Jahr 1713 wurde das Oberquartier aufgeteilt. Der westliche Teil um Venlo kam zu den Niederlanden, der östliche Teil mit den Ämtern Krickenbeck, Geldern, Straelen und Wachtendonk wurde dem Königreich Preußen zugeschlagen. An Österreich fielen die Stadt Roermond und die Gebiete um Niederkrüchten, Elmpt und Wegberg. Der Vertrag von Venlo aus dem Jahr 1543 blieb größtenteils in Kraft, der Gottesdienst blieb katholisch und das aus 1620 stammende Geldrische Land- und Stadtrecht behielt ebenfalls seine Gültigkeit.
Dieser Zustand blieb bis zum Jahr 1794, bis Französische Revolutionstruppen die südlichen Niederlande und den linken Niederrhein besetzten. Wieder verschwanden alte Grenzen, neue entstanden. Ein Teil des ehemaligen Oberquartiers wurde dem neuen Departement "la Meuse" zugeschlagen, der andere Teil kam zum "Departement de la Roer" (Roerdepartement). Beide wurden dem Königreich Frankreich einverleibt. Nun hatten französische Gesetzte Gültigkeit, der Adel wurde abgeschafft, das Standesamt eingeführt, ebenso die Militärpflicht.
1814 wurden die Franzosen durch Preußische und Russische Truppen wieder vertrieben. Beim Wiener Kongress im Jahre 1815 wurden die Grenzen neu eingeteilt, das Bild Europas veränderte sich Grundlegend. Das Departement "la Meuse" und Teile des "Roerdepartements" wurden dem neu gegründeten Königreich der Niederlande zugeschlagen. Der östliche Teil des Preußischen Oberquartiers viel entgültig an Preußen, der westliche Teil bildete fortan zusammen mit den ehemaligen Österreichischen und Staatlichen Gebieten die Provinz Limburg im Königreich der Niederlande. Dabei wurde keine Rücksicht auf alte Traditionen und Zugehörigkeiten genommen, obwohl sich die neuen Limburger mehr mit den nun Preußischen Einwohnern verbunden fühlten, als zu den südlichen Niederlanden oder der früher Vereinigten Republik. Und den Preußischen Bauern ging es nicht anders. Während der Belgischen Revolution im Jahr 1830 standen die Limburger dann auch mehrheitlich auf Seiten der Aufständigen, bis 1839 kam auch unter Belgischer Verwaltung, bis die Provinz Limburg in einen Belgischen und einen Niederländischen Teil aufgeteilt wurde. Der ehemalige Teil des Oberquartiers bildete dabei den Niederländischen Teil und wurde das neue "Herzogtum Limburg", obendrein bildete es einen Teil des "Deutschen Bundes". Diese Mitgliedschaft brachte die Verpflichtung mit sich, im Falle eines Kriegesfalles Militär abzustellen. Im Jahr 1866 verlies man den Bund und verlor obendrein den Titel Herzogtum (der Titel wurde seitens der Verwaltung noch bis 1906 verwendet). Der größte Teil des ehemaligen Oberquartiers bildet seither die Provinz Limburg in den Niederlanden. Der alte östliche Teil teilt sich in die Kreise Kleve und Viersen im Regierungsbezirk Düsseldorf, Bundesland Nordrhein-Westfalen der Bundesrepublik Deutschland auf.